Hans-Joachim Janßen MdL

Sprecher für Agrarpolitik, Naturschutz, Forstwirtschaft, Fischerei und Raumordnung

Rede Hans-Joachim Janßen: Antrag (SPD/GRÜNE) Artensterben aufhalten – Insekten schützen

- Es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

dass der Rückgang von Bienen dramatische Ausmaße angenommen hat, ist mittlerweile weit bekannt.

Andere Insektenarten wie Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen oder Schmetterlinge sterben stiller. In den letzten 20 Jahren hat die Insektenmasse in Deutschland um 80 Prozent abgenommen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, sterben viele Arten in weniger als 10 Jahren aus. Dieses Drama ist in der Öffentlichkeit weit weniger bekannt als das der Honigbiene.

Aber wir haben wohl alle gemerkt, dass Begegnungen mit Insekten aller Art, auch den eher unangenehmen wie verklebte Autoscheiben, Stiche am Badesee oder Fliegen im Wohnzimmer, in den letzten Jahren deutlich abgenommen haben. Für die Nahrungskette heimischer Ökosysteme ist das jedoch genauso ein Desaster wie der damit verbundene Verlust an kostenlosen Umweltdienstleistungen.

Anrede,

Insekten sind Nahrungsbasis für viele Fische, Reptilien, Amphibien, Fledermäusen und vor allem für Vögel. Und gerade Vögel des Offenlandes nehmen ebenfalls massiv ab – auch mangels Insekten als Nahrungsgrundlage bei der Jungenaufzucht.  Es droht uns ein stummer Frühling in zweifacher Hinsicht: Ohne Summen und ohne Zwitschern.

Insekten sind wichtig für einen funktionierenden Humusaufbau und damit für einen gesunden Boden. Und Insekten bestäuben 80 % unserer Kulturpflanzen. Wenn diese Nützlinge jetzt immer weniger werden, drohen massive Schäden für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelproduktion. Wir werden es nicht so machen können wie in China, wo die Bestäubung teilweise mit der Hand erfolgt.

Unsere Landesregierung tut bereits viel für den Insektenschutz. Sie fördert das Anlegen von Blühstreifen. Die Blühstreifenflächen haben sich von 2012 bis 2016 fast verdoppelt. Hinzu kommt die erhöhte Förderung für den Ökolandbau. Und für die Anlage von Blühflächen im Siedlungsgebiet können Zuschüsse beantragt werden.

Das Umweltministerium hat außerdem eine Arbeitsgruppe mit Expertinnen und Experten zum Thema Insektensterben eingesetzt, um Wissen zu bündeln und Maßnahmenpakete zu entwickeln.

Die Landesregierung ist auf einem guten Weg und wir wollen das mit diesem Antrag nachdrücklich unterstützen.

Ursächlich den Schwund der Insekten sind vor allem drei Faktoren:

  • Abnehmende Pflanzenartenvielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen und im Siedlungsbereich
  • Einsatz von Pestiziden, die Insekten kurz- oder langfristig töten und
  • Weitverbreitete Lichtverschmutzung.

Statt Winkelstein-Cotoneaster-Kulturen oder noch schlechter Kiesvorgärten mit Rollrasen und automatischem Rasenmäher, der eben diesen Rollrasen möglichst fingernagelkurz hält, brauchen wir gerade auch im besiedelten Bereich, in den Dörfern und Städten möglichst vielfältige, blütenpflanzenreiche Grünflächen. Über das Landschaftswerteprogramm der Landesregierung bestehen hier bereits Fördermöglichkeiten. Diese wollen wir ausbauen und attraktiver gestalten.

Die rot-grüne Landesregierung fördert den Erhalt von Grünland und das ist gut so. Es gibt Zuschläge für artenreiche Grünlandflächen. Aber trotzdem ist der Anteil solcher artenreichen Grünländereien nicht ausreichend. Wir werden hier nachbessern müssen und flächendeckend attraktive Zuschläge in der Agrarförderung anbieten müssen. Darüber hinaus ist es wichtig, bei allen Planungen die Insektenfauna zu berücksichtigen. Das gilt für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen genauso wie bei der Sicherung des Biotopverbundsystems, und gleichermaßen bei Anlage von Hecken, Streuobstwiesen oder Wegerandstreifen.

Wegerandstreifen im Übrigen müssen gegen Überpflügen gesichert werden, illegal überpflügte Randstreifen der Natur zurückgegeben werden. Das sind keine kleinen Flächen, Hochrechnungen für Niedersachsen gehen von etwa 10.000ha aus.

Ein erhebliches Problem stellt der Einsatz von Pestiziden dar. Dazu gehört auch die Saatgutbeize mit Neonikotinoiden. Angesichts der vielfachen Nachweise von deren Schadwirkung wäre der erster Schritt ein komplettes Verbot dieser Stoffgruppe, so wie das auch die EFSA, die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit fordert. Aber auch das wird nicht ausreichend sein. Bei Zulassung von Wirkstoffen ist eine umfassende Prüfung der Toxizität auf Insekten erforderlich und zwar unter realen Bedingungen und nicht nur im Laborversuch. Und auch im Hinblick auf Langzeitfolgen. Das gilt auch für Nachprüfungen bereits zugelassener Mittel. Gibt es da Zweifel an der Insektenverträglichkeit gehören diese Mittel nicht auf den Markt sondern verboten.

Ein Satz noch zu den Leuchtmitteln: wir haben in Deutschland allein 9mio Straßenlaternen, auf 9 Einwohner eine. Sie wirken wie Staubsauger auf Insekten. Hier sind Umrüstungen auf warmweiße LED´s erforderlich, die sind derzeit am verträglichsten.

Anrede,

mit Ende des Plenums starten wir in die parlamentarische Sommerpause. Es ist noch nicht zu spät, heimische Blühmischungen im Garten oder auf brachliegenden Flächen anzusiedeln.

Als Unterstützung haben wir Ihnen heute etwas mitgebracht: Wildblumensaatgut. Ich würde mich freuen, wenn Sie es verwenden können.

Vielen Dank

 

 



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