Werkverträge Podiumsdiskussion zu Werkverträgen in der Schlachtindustrie

v.l.n.r.: Stephan Christ, Audra Brinkhus-Saltys, Daniela Reim, Hans-Joachim Janßen

Auf Einladung der GRÜNEN Cloppenburg diskutierten in einer öffentlichen Veranstaltung  Stephan Christ (Grüner Landtagskandidat für den Wahlkreis Cloppenburg), Audra Brinkhus-Saltys (Netzwerk für Menschenwürde in der Arbeitswelt), Daniela Reim (Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Oldenburg) und Hans-Joachim Janßen (MdL und Kandidat für den Wahlkreis Cloppenburg-Nord) mit dem Publikum die Probleme der Werkvertragsarbeiter*innen in der Schlachtindustrie.

In der Schlachtindustrie ist es weiterhin üblich, dass große Teile der Arbeitnehmer*innen über Subunternehmen beschäftigt sind und nicht bei dem eigentlichen Schlachtunternehmen. Da die Subunternehmer Rundumversorgung anbieten, die Arbeitnehrmer*innen aus Rumänien oder Bulgarien die deutsche Sprache oft nicht beherrschen, ist ihre Situation mehr als prekär. Lohnabzüge für Arbeitskleidung, Messergeld, Transport von der Unterkunft zum Schlachtbetrieb sind üblich, Abzüge für die Miete sowieso. Auch wenn der Mindestlohn gezahlt wird, ist das Ausbeutung. Zudem sind die Arbeitsverträge regelmäßig befristet, so dass die Unsicherheit der Weiterbeschäftigung besteht und Familien deshalb nicht nachgeholt werden.

Dieses System der Ausbeutung firmiert unter Werkverträgen: Der Subunternehmer verpflichtet sich gegen Festpreis ein bestimmtes Werk, z.B.die Zerlegung von 1.000.000 Schweinen zu übernehmen und beschäftigt damit seine Arbeitnehmer über Zeitverträge.

Wie attraktiv solche Regelungen sind, ist gerade aktuelle erkennbar an den Ansiedlungswünschen eines italienischen Schlachtunternehmens, das bis zu 25.000 Schweine täglich schlachten will.  Das kann nur deshalb attraktiv sein, weil die Arbeitskosten hier so massiv gedrückt werden können.

Den Teufelskreislauf für die Betroffenen wollen wir durchbrechen

Einiges konnten wir verbessern: Durch den nds. Wohnraumerlass wurden zumindest Mssenunterkünfte geschlossen, die Einführung des Mindestlohns garantiert ein Existenzminimum.Aber die Disukussion zeigte: Das reicht bei weitem nicht. Werkverträge haben in der Schlachtindustrie nichts zu suchen, hier stellt der Werkvertragsgeber die Räumlichkeiten, die Techn ik zum Schlachten zur Verfügung. Der werkvertragsnehmer erstellt deshalb kein eigenes Werk. Solche Vertragsgestaltungen gehören verboten.

Arbeitsspitzen können durch Leiharbeit abgedeckt werden. Aber eben auch nur Arbeitsspitzen und das ist gesetzlich klar zu definieren. im Übrigen wollen wir erreichen, dass so wie in Frankreich, Leiharbeiter*innen besser bezahlt wird als Festpersonal. In Frankreich erhalten Leiharbeiter*innen einen Flexibilitätszuschlag. Das schafft Anreize, möglichst auf Leiharbeitnehmer*innen zu verzichten.

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