Antrag: Für eine nachhaltige Waldwirtschaft im Landeswald

Fraktion der SPD
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Der Landtag wolle beschließen:

Entschließung

Der Wald in Niedersachsen soll im Sinne der Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Verantwortung weiterentwickelt werden. Daher unterstützt der Landtag die Ziele der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.

Danach beträgt 2020 der Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung 5 % der Waldfläche. So die Zielstellung der von der Bundesregierung im Oktober 2007 verabschiedeten „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“.

Den landeseigenen Flächen – insbesondere den landeseigenen Wäldern - kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Nach der Bundesstrategie soll bis 2020 eine natürliche Entwicklung auf 10 % der Waldfläche der öffentlichen Hand erfolgen.

Seit nunmehr rund 23 Jahren wird in den niedersächsischen Landeswäldern das Programm zur langfristigen ökologischen Waldentwicklung (LÖWE) verfolgt. Leitbild dieses Programms ist ein stabiler, arten- und strukturreicher Landeswald, der die Schutz-, Nutzungs- und Erholungsfunktion des Waldes in Einklang bringt. Ziel des LÖWE-Programms ist es unter anderem, den Laubbaumanteil im Landeswald von derzeit erreichten über 40 % auf 65 % zu erhöhen. Weiterhin hat das LÖWE-Programm bereits derzeit zur Erhaltung und Vermehrung der biologischen Vielfalt im Wald wesentlich beigetragen, in dem geeignete Flächen vollständig der Nutzung entzogen wurden, um so den zum Teil hoch spezialisierten Arten- und Lebensgemeinschaften im gesamten Lebenszyklus der Waldbäume Raum zu geben.

Damit trägt dieses Programm in erheblichem Umfang auch zur Realisierung wesentlicher Ziele des Naturschutzes im Landeswald bei.

Der Landtag dankt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landesforsten für ihre hervorragende Arbeit für das Gemeinwohl, insbesondere für die Leistungen im Naturschutz und den wirtschaftlichen Erfolg.

Der Landtag fordert die Landesregierung auf, den eingeschlagenen Weg der naturnahen Weiterentwicklung des niedersächsischen Landeswaldes unter Beibehaltung des wirtschaftlichen Erfolges konsequent weiterzugehen und dabei insbesondere:

  1. Die Ziele und Maßnahmen der Strategie für biologische Vielfalt bis 2020 umzusetzen. Dazu sind 10 % der Fläche des Landeswaldes in der Anstalt Niedersächsische Landesforsten (NLF) für eine natürliche Waldentwicklung zu identifizieren und dauerhaft zu nutzungsfreien Naturwäldern zu entwickeln. Neben den dort bereits realisierten und fest eingeplanten Naturwäldern in Höhe von rund 8,6 % sind die zusätzlichen Flächen anhand naturschutzfachlicher Kriterien transparent und dialogorientiert bis 2016 zu ermitteln. Die Umsetzung soll möglichst bis 2020 erfolgen.
  2. Das LÖWE-Programm im Dialog mit den Landesforsten und Verbänden in Bezug auf das Leitbild und die Schutz-, Nutzungs- und Erholungsfunktion ganzheitlich zu überprüfen und entsprechend ökologisch weiterzuentwickeln.
  3. Die Waldpädagogik und Waldumweltbildung weiter zu stärken und zu intensivieren.

Begründung

Die Anstalt Niedersächsische Landesforsten bewirtschaftet rund 330.000 Hektar Wald im Eigentum des Landes Niedersachsen und damit knapp 1/3 der Waldfläche unseres Bundeslandes. Als größter Waldeigentümer, der in besonderer Weise den gemeinwohlorientierten ökologischen Zielen gerecht werden muss, hat das Land daher eine besondere Verpflichtung, die Nationale Biodiversitätsstrategie umzusetzen..

Daraus erwächst u. a. die Verpflichtung, auf 10 % der Fläche des Landeswaldes eine natürliche Entwicklung zuzulassen, wie es die Nationale Biodiversitätsstrategie vorsieht. In einem Wirtschaftswald erreichen die Bäume nur einen Bruchteil ihres natürlichen Alters. Daher fehlt in Wirtschaftswäldern nicht nur die Strukturvielfalt eines naturnahen Waldes aus alten Bäumen, stehendem Totholz, zerfallendem Holz und Aufwuchs junger Bäume in einem engen Mosaik, sie sind auch deutlich artenärmer. Insbesondere totholzbewohnende Arten und damit die komplette von ihnen abhängenden Lebensgemeinschaften fehlen in einem Wirtschaftswald weitestgehend bzw. erreichen hier deutlich geringere Dichten. Daher ist ein der natürlichen Entwicklung überlassener Naturwald von herausragender Bedeutung für die Sicherung der biologischen Vielfalt. Bisher wurden rund 8,6 % der Fläche des Landeswaldes als künftige Naturwaldbereiche identifiziert. Um das 10%-Ziel zu erreichen, sind daher bis 2016 weitere rund 4.600 Hektar Landeswaldfläche abzugrenzen, die der natürlichen Entwicklung überlassen bleiben.

Das LÖWE-Programm war bereits bei seiner Verabschiedung 1991 ein sehr weitreichendes Programm zur Sicherung und zum Aufbau eines multifunktionalen Landeswaldes. Mit der Umsetzung dieses Programms konnte der Anteil standortheimischer Laubwaldbestände deutlich erhöht werden. Dieses Programm gilt es, in einem breiten gesellschaftlichen Dialog weiterzuentwickeln und auch die neueren ökologischen Erkenntnisse und Anforderungen dabei zu berücksichtigen.

Als erstes öffentliches Forstunternehmen haben die Niedersächsischen Landesforsten im Jahre 2008 mit der Stiftung „Zukunft Wald“ eine Stiftung gegründet, die sich im besonderen Maße waldbezogenen Umweltbildungsprojekten verschrieben hat. Das Schulwaldprojekt der Stiftung wurde 2013/2014 von der UNESCO-Kommission als Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Zudem unterhalten und betreiben die Niedersächsischen Landesforsten 14 Waldpädagogikzentren. Diese vorbildliche Arbeit gilt es zu stärken und auszubauen.

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